VON: CHRISTINE KÖNIG
Die Wyon AG stellt im Auftrag ihrer Kunden kleine und kleinste Akkus und Batterien für Anwendungen in der Medizin her – und dies seit zehn Jahren mit Erfolg. Das Unternehmen aus Appenzell gehört in der Branche zur Weltspitze.
Appenzell. Zehn Jahre gibt es die Wyon AG; in den zehn Jahren hat sich das Familienunternehmen im kundenspezifischen Akkugeschäft nicht nur behauptet, sondern ist zum Marktleader für kleinste Baugrössen avanciert. Hauptprodukt der Appenzeller Firma ist ein wiederaufladbarer Akku für Hörimplantate anstelle von Wegwerf-Batterien – eine Weltneuheit. Seit 2005 sind diese Produkte im Markt, im Juni wurden die ersten Stücke einer zweiten Generation mit noch kleinerer Grösse ausgeliefert. Mit diesem Produkt hat die Wyon AG die Nase vorn im Markt.
«Als kleine Firma können wir nur existieren, wenn wir Massstäbe setzen und nicht kopieren», sagt denn auch Geschäftsführer Paul Wyser. Er hat das Familienunternehmen zusammen mit seiner Frau Marie Theres und seinen Söhnen Philipp und Maurus gegründet.
Klein und leistungsfähig
Hörimplantate brauchen viel Energie; der dazu passende Hinterohr-Schallempfänger, in dem der Akku integriert ist, soll dabei aber möglichst klein und leicht sein. Der Akku trägt wesentlich zur Erfüllung dieser Kriterien bei. Die Wyon AG hat sich auf die Produktion kleiner und kleinster Akkus spezialisiert. Das Besondere an den Appenzeller Produkten: Ihr Gehäuse besteht aus Kunststoff, nicht aus Metall. «Das bedeutet mehr Freiheit in der Form und Einsparung bei Gewicht und Volumen», sagt Philipp Wyser. Mit dem hautverträglichen Gehäuse-Material kann die Innerrhoder Firma im Auftrag ihrer Kunden jede gewünschte Form eines Akkus in verschiedenen Farben herstellen – «das zeichnet uns aus», so Philipp Wyser.
Das neuste Hörimplantat-Modell des australischen Herstellers Cochlear, der führenden Firma in der Branche, ist wesentlich kleiner und leichter als sein Vorgänger, was sich letztlich positiv auf die Eleganz des Designs auswirkt. Nicht nur das ist ein Vorteil für die Anwenderin oder den Anwender: Dank des Akkus der Wyon müssen die Batterien nicht weggeworfen werden, der Akku muss dafür über Nacht aufgeladen werden. Bis zu 800 Batterien pro Jahr benötigt ein Hörimplantat; dieser Verschleiss wird mit dem Akku praktisch gegen null reduziert.
Vertrauensbasis
Die Wyon AG beliefert die zwei wichtigsten Hersteller von Hörimplantaten – fünf gibt es weltweit. Das bedeutet: rund 70 Prozent Marktanteil für die Innerrhoder Firma. Dass es soweit kommen konnte, führt Geschäftsführer Paul Wyser auf die solide Zusammenarbeit mit internationalen Kunden zurück. Eine gute Zusammenarbeit beinhaltet während der langen Entwicklungsphase eines Produkts insbesondere ein starkes Vertrauensverhältnis, wie der Geschäftsführer sagt.
Den Standort Appenzell empfinden die Wysers für ihre weltweiten Geschäfte nicht als Nachteil – im Gegenteil. Hier finden sie problemlos qualifizierte Mitarbeitende. Kommt hinzu, dass die Wyon gut zwei Drittel der Materialien für die Herstellung ihrer Batterien von Lieferanten aus der Schweiz bezieht – davon etwa die Hälfte aus der Ostschweiz. So können die Wege kurz gehalten werden, was gerade in der Entwicklungsphase für Anwendungen in der Medizin, die unter anderem wegen vieler medizinischer Tests zwischen zwei und drei Jahre dauert, einen zeitsparenden Faktor darstellt. Die Entwicklung ist die zentrale und finanzintensivste Abteilung der Wyon, rund eine Million Franken gibt sie jährlich dafür aus. Einen grossen Stellenwert hat die Qualitätssicherung, sie nimmt rund 60 Prozent des gesamten Arbeitsaufwandes in Anspruch. 33 Mitarbeitende kümmern sich um Entwicklung und Produktion der Akkus; eben erst wurde das Personal aufgestockt. Speziell ist das interne Klima: Nicht nur sind die Hierarchien flach, die Mitarbeitenden werden auch in verschiedenen Bereichen eingesetzt, so dass alle mehrere Schritte des Produktionsablaufes kennen.
Wieder Weltneuheit
70 000 Batterien wird die Wyon heuer herstellen. 220 000 Akkus für den Medizinalgebrauch aus der Appenzeller Firma befinden sich zurzeit im Weltmarkt. Der nächste Coup ist schon in Arbeit: Ein in den Körper implantierbarer Akku. Das sei auch für sie als Marktleader eine neue Herausforderung, sagt Paul Wyser, gibt es doch einen solchen Akku in der Grösse, wie sie der amerikanische Kunde wünscht, noch nicht. – Es ist also wieder eine Weltneuheit aus Appenzell in Entwicklung.
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