«Ein Preis, der in die richtige Richtung zielt»

23.09.2014
- Wyon–Preis wurde zum erstenmal verliehen – Sechs junge Innerrhoder Berufsleute ausgezeichnet

Zum ersten Mal wurde am Samstag der Wyon–Preis verliehen. Die Wyon–Stiftung in Steinegg hat sich zum Ziel gesetzt, den zweiten Bildungsweg zu fördern. Zu diesem Zweck erhielten die sechs besten, diesjährigen Innerrhoder Absolventen der Berufsmatura abgestuft das Preisgeld von 15'000 Franken. Der Wyon–Preis ist damit der höchstdotierte Preis in Innerrhoden überhaupt.

Die Preisübergabe fand am Samstag im Wyon–Gebäude in Steinegg statt. Den musikalischen Akzent setzte die Jugend–Kapelle Edelweiss, drei junge Musiker mit bereits beachtlichem Format. Den Schlussakzent setzte ein Apéro mit Imbiss. Und für den geistigen Gehalt sorgten die drei Redner. Für einmal soll mit dem Schlusswort von Landammann Roland Inauen begonnen werden. Als Erziehungsdirektor konnte er präzis erklären, warum die Förderung des zweiten, des dualen Bildungsweges in unserem Kanton so wichtig ist: «Bei der Ausbildung von Gymnasiasten sind wir voll dabei, hingegen beim zweiten Bildungsweg ‹sind wir am Schwanz›, da haben wir einen grossen Nachholbedarf. Die Wyon–Stiftung zielt also genau in die richtige Richtung.» 

Ein Trumpf der Schweiz 
An Stiftungspräsident Carlo Schmid war es, aufzuzeigen, weshalb der duale Bildungsweg so wertvoll ist, unbestritten einer der grossen Trümpfe der schweizerischen Wirtschaft. Mit diesem Bildungsweg werden drei Ziele verfolgt: erstens die praktische Ausbildung, zweitens eine zweckfreie Ausbildung (im Gegensatz zu früher, als die Lehrlinge noch häufig als billige Arbeitskräfte angesehen wurden) und drittens das notwendige theoretische Wissen, eine solide Grundbildung. Heute ist der duale Bildungsweg zudem so angelegt, dass er keine Sackgasse mehr ist. Weiterbildung ist möglich, berufliches Weiterkommen steht jedem offen: der Lehrling kann Meister werden, er kann später eine Fachhochschule besuchen oder ein Hochschulstudium absolvieren. 

Auf den Bedarf ausgerichtet 
«Wer lernt, was die Wirtschaft braucht, den braucht auch die Wirtschaft», erklärte Carlo Schmid. Das kann ziemlich zweckgebunden und kühl kalkuliert tönen, aber in Zeiten der Arbeitslosigkeit darf dieses Argument nicht leichtfertig von der Hand gewiesen werden. Sich ausbilden und ausbilden und dabei einfach hoffen, dass einem einmal ein Glückstreffer eine Stelle beschert, kann ja auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wobei Carlo Schmid und Roland Inauen übereinstimmend betonten, dass hier der duale Weg nicht gegen den gymnasialen Weg ausgespielt werden soll: Es braucht beides. Aber beide sollen den Stellenwert haben, den sie verdienen. Dass diese Ausbildungspolitik nicht ohne ist, wird schnell erkennbar, wenn man die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz mit anderen Ländern vergleicht. Ausbildung darf ohne weiteres zweckorientiert sein. 

25 haben die Berufsmatura absolviert 
Der Wyon–Preis soll also den dualen Bildungsweg fördern, indem er auszeichnet, indem er motiviert. Und in der Bevölkerung auf grössere Anerkennung stösst. Wie aber kommt so eine Stiftung zustande? Das erklärte Stifter Paul Wyser. Es braucht natürlich Kapital. Und er betonte sehr, dass dieses Geld solidarisch vom Wyon–Team erarbeitet werden muss. Das Stiftungskapital beträgt 150 000 Franken, die Gesamtpreissumme 15 000 Franken, wobei die Stiftung von der Appenzeller Kantonalbank jährlich unterstützt wird. Im Weiteren braucht es einen Stiftungsrat. In diesem Zusammenhang gab er seiner Freude darüber Ausdruck, dass sich mit alt Landammann und alt Erziehungsdirektor Carlo Schmid der absolut ideale Mann für dieses Amt zur Verfügung gestellt hat. Und wichtig sind selbstverständlich in allererster Linie die Preisgewinner, die mit ihrer Leistung Werbung für ihre Ausbildung machen. Dieses Jahr haben 25 Lehrlinge die Berufsmatura absolviert, die entweder Innerrhoder sind oder von auswärts kommen, aber in unserem Kanton die Lehre gemacht haben.

Die sechs Preisempfänger 
Glücklich sei er und auch ein wenig stolz, dass nun der Wyon–Preis zum ersten Mal überreicht werden kann, erklärte Paul Wyser. Er dankte allen, die dazu beigetragen haben, all den Helfern, und natürlich auch allen, welche die Jugendlichen auf ihrem Weg begleitet haben: die Eltern, die Lehrmeister, die Lehrer, Freunde und Bekannten, das ganze Umfeld. Und dann war es soweit, die sechs erfolgreichen Jugendlichen konnten ihren Preis aus den Händen der drei genannten Redner entgegennehmen. Es sind dies: Thomas Dörig, er schloss mit der Note 5,5 ab und erhielt 5000 Franken. Er absolvierte die Lehre bei Josef Fässler, Architekturbüro Appenzell; Pascal Fischli, Appenzell (Preisgeld 4000 Franken, Note 5,3, Lehrbetrieb Bühler AG, Appenzell); Laura Kurer, Oberegg, Lehrbetrieb Swiss Optik AG, Heerbrugg und Michael Meier, Urnäsch, Lehrbetrieb Hersche Ingenieure AG, Appenzell (beide: Preisgeld je 2000 Franken, Note 5,2): sowie Sarah Wyss, Appenzell, Lehrbetrieb UBS AG Appenzell und Patrick Dörig, Appenzell, Lehrbetrieb Sepp Fässler AG, Appenzell (beide je 1000 Franken, Note 5,0).