«Teurer als Bildung ist keine Bildung»

30.09.2015
- In Steinegg wurde zum zweiten Mal der Wyon Preis an die besten Absolventen der Berufsmatura vergeben

«Die Berufsmatura ist für euch ein Meilenstein, aber es gilt weiterhin lernfähig, offen und ehrgeizig zu bleiben», erklärte der Unternehmer und Festredner Alfred Lichtensteiger. Adressaten dieses Ratschlages waren die acht Empfänger des Wyon Preises 2015 am Samstag in den Räumlichkeiten der Wyon AG in Steinegg. Verdient haben sich die Jugendlichen die Ehre durch die Berufsmatura, die sie mit einem tollen Ergebnis bestanden haben.

Die Schweiz ist stolz auf den dualen Bildungsweg, diese sinnvolle Verbindung von praktischer Berufsausbildung gekoppelt mit dem notwendigen theoretischen Wissen hat sich mehr als bewährt. Die Aufstiegschancen für Absolventen dieses zweiten Bildungsweges (nebst Gymnasium und Universität) sind sehr gut, vor allem auch dank der Möglichkeit, die Berufsmatura «anzuhängen». 

Zweiten Bildungsweg fördern 

Diese positive Einschätzung der Berufsmatura allein aber genügt nicht, sagte sich der Innerrhoder Unternehmer, alt Säckelmeister Paul Wyser. Als Inhaber der Wyon AG gründete er im Dezember 2013 die Stiftung Wyon, deren Ziel es ist, das Ansehen des zweiten Bildungsweges zu erhöhen und die Jugendlichen für diese Ausbildung zu motivieren. Die Förderung geschieht, indem alljährlich die besten Innerrhoder Absolventen der Berufsmatura ausgezeichnet werden. Als Stiftungsratspräsident konnte der langjährige Erziehungsdirektor, alt Landammann Carlo Schmid gewonnen werden. Am Samstag wurde der Wyon–Preis zum zweiten Mal vergeben. 

Nicht gegeneinander ausspielen 

Den Auftakt machten die Stegräfler Brülisau, sie gaben dem ganzen Anlass die musikalische Note und zwar sehr gekonnt, wie der aktuelle Erziehungsdirektor, Landamman Roland Inauen, in seinem Schlusswort erklärte: «E wädid elengeri besse!» Sie gaben sich auch wirklich alle Mühe, wollten sie sich doch auf diese Weise bei Paul Wyser bedanken für die grosszügige finanzielle Unterstutzung der Neuuniformierung. Bevor Carlo Schmid den Festredner, Alfred Lichtensteiger ans Mikrofon bat, betonte er, «dass wir beides brauchen, den Bildungsweg über das Gymnasium und die Universität ebenso wie den dualen Bildungsweg. Sie sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden, beide bieten eine tolle Ausbildung, die eine gute berufliche Laufbahn ermöglichen.» 

Weiterbildung, Forschung 

In wohltuend einfachen Worten, wie Roland Inauen in seinem Schlusswort ebenfalls bemerkte, erklärte Alfred Lichtensteiger den Jugendlichen, die ja erst am Anfang ihres Berufsweges stehen, was die Tugenden eines guten Unternehmers sind. Für sie gelte es jetzt zuerst einmal, lernfähig, offen und ehrgeizig zu bleiben. «Die Berufsmatura war ein erster Schritt, aber ihr werdet vermutlich noch viele Veränderungen erleben. Ehrgeiz, ja, aber gepaart mit Genügsamkeit, mit Ehrlichkeit und Respekt: Glauben Sie an sich!» Lichtensteiger gebrauchte auch das Wort «dienen», was Roland Inauen besonders gut gefallen hat. Anhand praktischer Beispiele aus seinem reichen Schatz an Unternehmererfahrung gab der Festredner den Jugendlichen einige Ratschläge mit auf den Weg: «Hören Sie auf die Kunden, das möchte ich euch sogar zwei–, drei–, viermal sagen. Und sprechen Sie mit den Mitarbeitern, fragen Sie, nutzen Sie ihr Wissen, sie kennen ihren Arbeitsplatz am besten!» Miteinander sprechen und – diese Bemerkung gefiel wiederum dem Schreibenden ausgezeichent – «dazu sollte man das Handy nur benutzen, wenn es dringend notwendig ist.» Umso notwendiger ist hingegen immer und immer wieder Weiterbildung – an dieser Stelle zitierte Lichtensteiger sinngemäss John F. Kennedy: «Teurer als Bildung ist nur keine Bildung». Und – auch dieser Tipp muss mindestens doppelt unterstrichen werden, ganz wesentlich ist Forschung, ja nicht den Anschluss verpassen, auf dem Laufenden bleiben und wenn möglich eine Nasenlänge voraus sein. 

Die geehrten Preisträger 

Um den Wyon Preis 2015 haben sich im Sommer 22 erfolgreiche Innerrhoder Absolventen der Berufsmatura beworben, acht von ihnen wurden ausgezeichnet. Die Preise übergaben Stiftungspräsident Carlo Schmid und Landammann Roland Inauen. Den mit 5000 Franken dotierten ersten Preis erhielt Fabienne Neff, Weissbad, die ihre Lehre im Hof Weissbad absolviert und mit der Note 5,6 bestanden hat. Im zweiten Rang (2000 Franken) klassierten sich mit der Note 5,1 Fabiola Di Paola, Appenzell (Lehrbetrieb Kantonale Verwaltung), Maria Fässler, Appenzell (Kantonalbank) und Andreas Sonderer, Appenzell (Raiffeisenbank). Die bisher genannten Preisträger haben alle die kaufmännische Berufsmatura absolviert. Im dritten Rang (1000 Franken) wurden gleich vier Jugendliche ausgezeichnet, die ihre Berufsmatura mit der Note 4,7 bestanden haben: Sandro Dörig, Appenzell (Streule AG Brülisau), Jan Hautle, Appenzell (Bühler AG Appenzell), Gabriel Streule, Weissbad (Bühler AG Appenzell) sowie Fabian Mazenauer, Appenzell (Bäckerei Böhli Appenzell). Der Letztgenannte hat die naturwissenschaftliche Berufsmatura absolviert, die drei vorher genannten die technische Berufsmatura.